Geschichten


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Lena und Tom

 

Lena ist 7 Jahre und ihr Bruder Tom ist 10 Jahre alt. Lena kann schon sehr gut lesen, aber Tom muss noch viel üben. Er hat schwerere Wörter zu lernen, aber dafür ist er ja auch älter. Doch im Sport ist Tom wirklich gut.

Lena sitzt im Garten mit ihrer Puppe. Sie liest in einem Buch mit vielen schönen Bildern. Tom wollte auch lesen, er hat es wirklich probiert. Es macht ihm viel Mühe und darum findet er es sehr langweilig.

Er nimmt lieber seinen Drachen und stellt sich vor, selber ein American Dragon zu sein. Das wäre eine tolle Sache. Dann könnte er ein Held sein und die Welt retten!

Er läuft hinaus in den Garten. Rami der Schäferhund rennt mit ihm hin und her. Tom wirft den Drachen hoch, fängt ihn auf und wieder hoch.  Jetzt eilt er zu Lena. Er stupst sie mit dem Drachen an, damit sie mit spielt. Lena will aber lesen. Nun lässt Tom den Drachen auf den Tisch springen und fliegen und setzt ihn Lena auf den Kopf.

Er ruft: „Sieger, Sieger! Wir haben das Böse besiegt!“  Das ist zu viel für Lena.

„Ich bin überhaupt nicht böse!“ schreit sie.

Aber Tom hört nicht auf sie zu stupsen. Wütend drückt Lena den Drachen weg und stößt dabei ihre Teetasse um. Ach das schöne Buch! Jetzt ist es vom Tee ganz nass. Lena weint laut und drückt ihre Puppe an ihr Herz. Sie nimmt das Buch und läuft fort.

 

„Oma, Oma“ ruft sie und rennt die Straße hinunter. „Oma! Ich hasse meinen Bruder! Dieser schreckliche Tom!“

Die Oma setzt Lena in den großen Sessel. Sie nimmt ihr das Buch ab und macht es vorsichtig trocken. Lena erzählt ihr, was passiert war.  Die Oma sagt: „Ach Lena, so ist das eben bei den Menschen. Der Eine versteht den Anderen oft nicht richtig. Dann gibt es auch schon mal Streit.“

Sie geht an die kleine Kommode und holt zwei Karten.

„Schau mal, diese Karten habe ich beim Bäcker bekommen, für dich und Tom. Aber weißt du was? Jetzt gehen wir beide dort hin. Lies mal was darauf steht.“  Lena liest: „FREIKARTE. Junge Kunstturner stellen ihre besonderen Übungen vor.  ORT: Hofhausen, Turnhalle in der Neuhaus-Schule. BEGINN: 16 Uhr.“

Ach, das ist ja das Gymnasium ganz unten im Ort. Sie fahren mit dem Bus. Jetzt geht es Lena wieder gut.

 

Als Lena weg gelaufen war, ging Tom wieder ins Haus.  Er dachte: „Es ist schlimm, dass man bei kleinen Mädchen immer so aufpassen muss.“

Da fällt sein Blick auf den Kalender. Oh weh! Heute ist die Vorführung im Ort unten! Er macht da auch mit und ist gleich als Erster dran! Er sieht auf die Uhr. Wenn er mit dem Bus fährt, kann er es noch gut schaffen.

Eilig reißt er den Turnbeutel vom Haken und rennt los. Rami der Schäferhund schaut ihm erstaunt nach. Nun ist der Hund ganz alleine im Haus.

 

Tom rennt zur Bushaltestelle. Als er um die Ecke kommt, fährt der Bus schon ab. Tom winkt und ruft, doch der Busfahrer hat ihn nicht bemerkt.  Kurz entschlossen rennt Tom über die Felder zum Wald. Wie gut, dass er so viel trainiert hat. Dann kommt der steile Abhang. Die Wiese ist schon abgemäht und das Heu liegt ausgebreitet am Hang. Tom macht Rollsaltos, wie er es beim Aikido gelernt hat und in einer Minute ist er schon im Tal. Jetzt noch die Straße hinauf.

Als er zum Schulhaus läuft, hört er einen Lehrer rufen: „Zu spät! Zu spät!“

Auch Bill sein Freund sieht ihn und ruft: „Tom, zu spät, du bist zu spät!“

Aber Tom rennt die Treppe zur Bühne hinauf. Oben auf der Treppe reißt er seine Kleider herunter und schlupft in die Turnsachen. Einen Augenblick hat er noch Zeit um durch zu schnaufen und sich zu konzentrieren.

Er hört den Sprecher sagen: „ Herzlich willkommen, liebe Gäste hier in der großen Halle. Wir sind sehr erfreut, dass so viele Bürger aus Hofhausen und den umliegenden Dörfern hierher gekommen sind……“

 

Tom hört nicht wirklich zu, er lauscht nur, denn wenn sein Name gesagt wird, muss er sofort starten.

Der Sprecher ruft:“…… und nun beginnt als Erster Tom Sailer, bitte Tom!“

Tom nimmt zwei kräftige Schritte Anlauf und überquert mit drei Saltos die ganze Länge der Bühne.

 

Lena reißt die Augen auf und ruft: „Oma, das ist ja unser Tom!“  Sie ist ganz aufgeregt. Die Oma hat ihr erzählt, dass in der ersten Reihe Schiedsrichter sitzen und alle Turner und Turnerinnen bewerten. Der Beste von allen bekommt einen großen Preis.  

Lena hat den Streit mit Tom schon längst vergessen. Sie drückt beide Daumen, damit Tom den Preis gewinnt. Sie staunt, dass ihr Bruder so gut turnen kann.  Salto, Handstand, aus der Hocke hoch und gedreht, am Barren, an den Ringen und eine schwierige Balancenummer. Sie ist ganz aufmerksam. Dann kommen die anderen Kinder dran. Jedes Kind macht etwas ganz Besonderes. Lena hatte so etwas noch nie gesehen und findet es schön.

 

Die Schiedsrichter geben ihre Bewertungen immer gleich nach jedem Auftritt ab.

Zum Schluss werden drei Kisten hingestellt für den 1., 2. und 3. Platz.

Der Sprecher verkündet die Siegerehrung: „ Auf den 3. Platz kommt Lu Tsching!“

Es gibt einen kräftigen Applaus. Lu Tsching ist ein Mädchen.

„Den 2. Platz hat sich Ronny Reuter erkämpft“.

Die Gäste applaudieren wieder und rufen: „Gut gemacht!“

 

Nach einer kurzen Pause sagt der Sprecher feierlich: „Nun kommen wir zum 1. Platz. Der Gewinner dieses Wettkampfes ist Tom Sailer! Herzlichen Glückwunsch Tom.“  Jetzt wird applaudiert, gepfiffen und gerufen.

Lena ist aufgesprungen und ruft immer: „Tom, Tom, prima, prima!“

Tom steht auf dem Siegerpodest und lächelt, er freut sich sehr.  Als Gewinner erhält er den Hauptpreis, es ist ein sportliches Fahrrad!

Danach gibt es im Saal etwas Unruhe. Bänke und Tische werden verschoben. Es duftet plötzlich nach Kaffee und auch verschiedene Kuchen werden herein getragen.

Auf der Bühne sieht man nun ein kleines Orchester. Es spielt schöne schwungvolle Musik.

Tom hat sich inzwischen umgezogen und würde gerne einen Kuchen essen, aber er hat kein Geld mitgenommen.

 

Lena schaut angestrengt hin und her.  „Da ist er!“ ruft sie, „Oma guck doch, da ist Tom!“

Sie zieht die Oma mit und winkt und ruft: „Tom – hu hu, Tom!“  Tom sieht Lena und bleibt verwundert stehen.

Lena lässt die Oma los und hüpft vor Freude, sie lacht: „Tom, ich bin so froh, dass du mein Bruder bist.“

Tom hat ein schlechtes Gewissen und sagt verlegen: „Es tut mir leid, dass ich dich geärgert habe. Kannst du mir das verzeihen?“

„Ach so“ sagt Lena, „ja sicher, wir wollen uns doch immer vertragen.“

Jetzt freut sich auch die Oma, dass alles wieder in Ordnung ist. Gemeinsam holen sie sich Kuchen, Kakao und Kaffee. Und dass Tom später auf seinem neuen Fahrrad nach Hause fährt, das ist dochwohl klar!

 

Eveline Klose  heilen-in-eisingen.de

                                                                                                                                                       




Herr Krautheimer

 

Eigentlich wollte sie am Klavier üben, damit sie die Partitur spielen kann, wenn die Lehrerin kommt. Aber es war beschlossen, dass sie die Straße säubern soll. Sie fügte sich, denn Jeder musste das tun.

 

Warum war das nur so schwer? Die Pflanzen am Straßenrand widersetzten sich. Kara stocherte mit dem Messer in den Steinen und rupfte. Es war keine schöne Arbeit. Hoffentlich kommt jetzt nicht auch noch der Nachbar vorbei. Bei dem ist die Straße immer picobello. Aber er selber ist strubblig, seine Zähne dunkel von den vielen Zigarren und sie fand, dass er stank.

 

Der Rücken tat ihr weh. Sie richtete sich auf und besah sich ihre Finger. Grün und schmutzig waren sie und die Fingernägel schwarz. Tränen wollten aufsteigen.

„Na, das ist aber ein mühsames Geschäft!“ Sie erschrak vor der rauen Stimme.

„Hallo Herr Krautheimer“ sagte sie schnell und bückte sich um einem weiteren Gespräch auszuweichen.

Dieser verrauchte Atem, dieser Dunst, das wollte sie nicht aushalten müssen.

Doch auch er bückte sich: “Warte doch, ich hole etwas Besseres.“

Kara dachte, dass sie gleich spucken würde. Sie war ziemlich erregt.

 

Herr Krautheimer kam mit einem kuriosen Ding wieder. „Komm steh auf Mädchen, ich helfe dir.“

Schnippisch erwiderte sie: „Ich heiße Kara.“

Herr Krautheimer stutze: „Aha, Kara.“

Er nahm ihre Hände: „Schau mal, diese Finger taugen nicht für so was. Deine Finger sind gut zum Klavierspielen und das tönt auch gut in Krautheimers Ohren.“

 

Hatte sie das eben richtig gesehen, hatte er gelächelt? Gefiel ihm ihr Klavierspiel?

Herr Krautheimer schob Kara beiseite, nahm sein Gerät und schrubbte damit am Straßenrand entlang. Kara riss die Augen auf, denn im Nu hüpften die Pflänzchen beiseite. Auch das Moos kratzte er locker und schlug vorwitzige Zweiglein auf der Seite am Grundstück ab.

Stolz posierte er: „Da staunst du, was Kara? Die Hacke habe ich selbst erfunden und gebaut.“

Kara gab ihm die Hand und sagte: „Das ist ja eine tolle Sache. Dankeschön Herr Krautheimer.“

Sie fing an zu kehren und dachte nach. Eigentlich ist Herr Krautheimer ja ganz nett und mein Klavierspiel gefällt ihm. Sie lächelte. Da kam Ben, ihr jüngerer Bruder.

 

„Ich soll dir helfen, weil doch gleich Klavierstunde ist.“

 Er wunderte sich, dass Kara schon fast fertig war.

Sie grinste: „Das hat Herr Krautheimer gemacht, mit so einer Spezialhacke, die er selbst gebaut hat.“

Ungläubig sagte Ben: „Ja wirklich, kann der so was? Hacken bauen? Hätte ich ihm gar nicht zugetraut.“

Die Mutter tischte zur Freude der Kinder ein großes Blech mit Tiramisu auf. Kara erzählte die ganze Begebenheit.

„Mama, das ist komisch, erst war es mir übel von Krautheimers Geruch und später habe ich gar nichts mehr davon gemerkt.“

Die Mutter nickte: „Ja so ist das, wenn man Vorurteile hat und sich in etwas hinein verspinnt. Es ist besser auf das Gute zu sehen.“

Micha, der ältere Bruder hatte aufgehorcht, als er von Herrn Krautheimers Basteltalent hörte.

„Ich würde mir gerne diese Kratzhacke ansehen“ rief er, „vielleicht kann ich auch so etwas bauen und verkaufen.“

Mit seiner Digitalkamera spurtete er davon. Die Mutter schmunzelte.

 

Herr Krautheimer war sehr erfreut über Michas Interesse und nahm ihn mit in den Schuppen. Micha war beeindruckt und durfte Fotos machen.

Aus allen Blickwinkeln blitzte er die Hacke an und sagte: „Schauen sie hier, ich kann gleich in das Bild eine Beschreibung eingeben, damit ich nicht vergesse wie man die Hacke benutzt.“

Herr Krautheimer staunte. Dann erwähnte er, dass er bei einigen Details die Hilfe eines Schmiedes hatte und gab Micha die Adresse mit.

 

 „Du Emma“ sagte Herr Krautheimer zu seiner Frau, „die Nachbarskinder sind eigentlich ganz in Ordnung.“  Sie antwortete: „Ja, es ist sehr nett, dass er auch uns Beide fotografiert hat.“

Nach einer Weile klingelte es abermals an der Tür.

„Das soll ich ihnen bringen und einen Gruß von den anderen.“

„Emma“ rief Herr Krautheimer, „jetzt schau dir das an!“

Frau Krautheimer nahm Ben stauend den Teller mit zwei großen Stücken Tiramisu ab.

 

„Malst du gerne?“ fragte Herr Krautheimer.

„Oh ja“ nickte Ben.

„Ich hab da was“ rief Herr Krautheimer und holte eilig einen Karton.

„Mein Bruder ist vor kurzem verstorben. Er war Kunstmaler und diese Sachen hier, nimm du sie mit.“

„Wow, ist ja irre, so viele Stifte!“

Ben strahlte ihn glücklich an und rief: „Herr Krautheimer, du bist echt cool!“

 

Herr Krautheimer wusste nicht, was das heißt „echt cool“, aber er machte schnell die Tür zu und wischte sich verstohlen zwei Tränen ab,  denn irgendwie berührte ihn das alles in seinem Herzen.

 

Eveline Klose  heilen-in-eisingen.de



Die Ausstellung

 

In Rutenstadt gibt es einen Kleintierzuchtverein. Das sind Leute, die gerne mit Tieren zusammen sind und sie auch züchten.

Zu Beginn der Sommerferien bieten sie eine Veranstaltung an. Alle Kinder im Ort dürfen ihre kleinen Tiere ausstellen. Es kommen dann viele Leute die Tiere gerne haben. Die Besucher sollen die Tiere und die Tierhalter bewerten. Darum erhält Jeder eine Karte auf der die Namen und die Tiere geschrieben sind. Das Kind das die meisten Punkte bekommen hat, gewinnt eine Fahrt zum Tiergarten in die Hauptstadt.

 

Tina hat selber keine Tiere.

Sie bittet: „Mama, die Tiere liebe ich, bitte, darf ich auch dort hin gehen?“

„Ach ja“ sagt die Mutter, „da gibt es auch etwas zum Kaffee, das ist bestimmt ganz nett.“

 

Der kleine Ben hatte vor einiger Zeit auf einem Spaziergang einen ganz jungen Fuchs gefunden. Der war verletzt. Ein Tierarzt hatte ihn behandelt und der Jäger gab ihm die Erlaubnis, dass er ihn zu Hause behalten darf. Der Fuchs ist inzwischen erwachsen und sehr zahm. Ben und der Fuchs sind dicke Freunde geworden.

Er fragt seinen Vater: „Papa, darf ich mit dem Fuchs zur Ausstellung gehen?“

„Ja bestimmt“ sagt der Vater, „aber wir müssen ihn in einen Käfig setzen.“

Sie leihen sich aus dem Tierheim einen großen Käfig, geben Stroh, eine Decke, Futter und Wasser hinein. Auch eine Höhle aus zwei Pappschachteln hat Ben gebaut, damit der Fuchs sich verstecken kann.

 

 Lucia will auch mit ihrem Hasen zu dieser Ausstellung gehen. Ihr großer Bruder sagt aber: „Lucia, da sind bestimmt sehr viele Hasen. Hasen hat doch Jeder!“

„Aber mein Hase ist anders“ ruft Lucia, „denn mein Hase ist süß. Ja, sehr süß!“

„Also gut“ sagt ihr Bruder. Er hilft ihr dabei, den Käfig schön zu machen. Lucia bürstet das Fell des Hasen und bindet ihm eine rosa Schleife um.

 

Matteo wäre auch gerne zu der Veranstaltung gegangen, denn er liebt Tiere sehr. Aber er kann die Eintrittskarte nicht bezahlen und ein Tier zum Vorzeigen hat er auch nicht. Er ist traurig. Doch plötzlich hat er eine Idee! Er nimmt seinen roten Stoffdrachen, den er Dragon nennt und steckt ihn in einen Käfig. Er legt auch Steine, Kräuter und kleine Zweige mit hinein. Dann hängt er eine kleine Tischdecke darüber und geht zur Ausstellung.

 

Der Veranstalter sieht ihn kommen und sagt: „Zu spät, Junge du bist zu spät gekommen. Alle Plätze sind schon besetzt!“

Matteo antwortet mutig: „Oh, ich habe ein ganz besonderes Tier!“

Der Mann will das Tier sehen und zieht die Tischdecke weg.

Zuerst schaut er ganz erstaunt, dann lacht er herzhaft und laut.

Er sagt: „Du bist ja ein Spaßvogel! Wie kommst du denn auf diese Idee?“

Matteo erzählt ihm, dass er mit seiner Mutter alleine lebt und kein Geld für eine Eintrittskarte da ist. Er habe es eben nun so versucht. Der Mann fragt, ob er denn überhaupt Tiere mag. Matteos Augen leuchten.

Er sagt: „Ja ich liebe Tiere. Hunde sind meine Lieblingstiere. Der Hund Merlin und ich sind richtige Freunde. Der gehört Herrn Rettmann, ich führe ihn aber jeden Tag aus. Das ist so ein ganz großer Hund, den kann ich ja nicht hierher bringen.“

Der Veranstalter überlegt eine Weile.

„Ach was“ sagt er, „hier gebe ich dir eine Freikarte. Geh hinein, dein Stofftier lässt du bei mir. Du kannst es später abholen.“   Matteo freut sich und bedankt sich höflich.

 

Tina hat auch eine Karte zum Bewerten bekommen. Sie sieht sich alles sehr genau an. Bewerten will sie später mit ihrer Mutter zusammen. Die hat es sich erst einmal beim Kaffee gemütlich gemacht. Tina sieht verschiedene Katzen, kleine Hunde, Meerschweinchen, Hamster, Wellensittiche, einen Kanarienvogel, zwei Eidechsen, drei Schildkröten und viele Hasen in verschiedenen Farben. Der weiße Hase hat eine rosa Schleife um den Hals.

 

In der Mitte an dem Platz, an dem alle Leute vorbei kommen, sieht sie den dicken Paul. Er hat einen lustig bunten Käfig mit vier Springmäusen.

Tina lacht: „Die sind aber süß und so lustig.“

Sie staunt auch, weil Paul noch viele frische Kräuter und Getreidehalme auf dem Tisch stehen hat.

Paul erklärt ihr: „Tina guck, die Mäuschen kauen gerne an dem Stroh herum. Aber das ganz frische Kraut mögen sie auch gerne.“   Er steckt immer nur ein paar Halme hinein und die Mäuse knabbern und freuen sich.

Tina sagt: „Paul, du hast wohl die Mäuschen sehr gerne.“

„Ja" sagt Paul, „ich glaube das ist so was wie Liebe.“

Dann zieht er aus einer Vase hinter dem Mäusekäfig eine rote Blume heraus.

Er sagt: „Tina, ich mag dich auch, weil du immer so lustig bist. Darum schenke ich dir diese Blume.“

Tina wird ganz rot. Sie lacht verlegen, aber sie freut sich.

„Tschüss Paul“ ruft sie und läuft zu ihrer Mutter.

 

Einige Kinder haben die Bewertungskarten eingesammelt und der Veranstalter tippt alles in den Computer ein. Dann nimmt er das Mikrofon. Alle werden still.

Er spricht: „Nun kommen wir zur Siegerehrung und vergeben die Preise. Weil das so ein sehr überraschendes Ergebnis ist, fange ich sofort mit dem Hauptgewinn an, mit dem ersten Platz! Mit einer sehr großen Punktezahl haben Paul Müller und seine Springmäuse gewonnen!“

Ein großer Applaus erschallt.

„Paul, weil du deine Tiere so gut versorgt hast, und auch die Gäste mit Blumen erfreut hast, darfst du noch ein Kind auf die Fahrt in den Tiergarten mitnehmen!“

Paul ruft sofort: „Ich nehme Tina mit! Ja Tina, bitte komm mit, das wird bestimmt lustig!“

Die Leute lachen. Tina schaut ihre Mutter fragend an, die Mutter nickt.

 

Der Mann spricht weiter: „Den zweiten Platz hat Ben Vordi gewonnen“

Es wird Beifall geklatscht.

„Ben, du hast deinem Fuchs ein Versteck gebaut, das finden die Leute sehr schön. Du bekommst vier Freikarten für unser Schwimmbad.“   Die Besucher klatschen und rufen: „Prima.“

 

Er spricht weiter: „Der dritte Preis geht an Lucia Schäfer.“

Wieder gibt es einen fröhlichen Beifall.

„Lucia, dein Hase ist wirklich sehr schön und alles ist sehr ordentlich. Du erhältst eine Freikarte für den nächsten Tierfilm im Kino.“   Nun applaudieren die Leute noch einmal.

 

Einige wollen schon gehen, aber da sagt der Veranstalter: „Bitte warten Sie einen Moment. Ich habe mir noch einen Preis ausgedacht!“

Er hält den Käfig von Matteo hoch.   „Hier ist ein junger Mann, der dieses Tierchen brachte.“

Die Leute murmeln und lachen.

Der Mann spricht weiter: „Ich finde, er hat diesem Drachen die richtigen Dinge gegeben: Steine, Kräuter und kleine Zweige. Auch ein blaues Tüchlein als Symbol für Wasser.“

Die Leute klatschen Beifall.

Der Mann sagt: „Matteo, du bekommst den vierten Preis und das ist ein großes Kuchenpaket von unserer Kuchentheke. Ich glaube, Deine Mutter und du könnt euch nicht sehr oft Kuchen leisten.“

 

Er gibt ihm einen großen Karton, der mit einer Schnur zusammen gebunden ist. Oben ist der Karton offen.

Mit rotem Kopf bedankt sich Matteo. Er nimmt den Karton und will gehen.

Da ruft eine Frau: „Einen Moment Matteo, bleib mal stehen.“

Sie kommt hergelaufen und steckt ganz flink einen kleinen Geldschein in den Karton an die Seite. Dann eilt sie weiter. Erstaunt kann Matteo nur „Danke“ sagen, doch die Frau ist schon fort.

Die Leute gehen nach Hause. Aber einige Andere, die an Matteo vorbei gehen, geben auch etwas Geld in seinen Kuchenkarton. Er weiß nicht recht, was er davon halten soll und sagt immer nur ganz ernst: „danke“ und wieder: „danke“.

 

Dann geht er alleine nach Hause. In der einen Hand den Drachenkäfig, in der anderen Hand den Kuchenkarton. Es wird ihm ganz komisch im Gemüt und es fällt ihm ein, dass er noch einmal „Danke“ sagt und dabei an Gott denkt.

Da wird sein Herz ganz froh und warm, bis in den Bauch hinein.

Eveline Klose   heilen-in-eisingen.de